Santiago, Chile – #7

Die Hauptstadt Chiles bietet Besuchern alles was das Touristenherz begehrt: Kultur und Kunst, atemberaubende Ausblicke und leckeres Essen, Kneipen und Cafés. Die Besonderheiten der Stadt sind vielfältig und nicht nur positiv. Mit gemischten Gefühlen verlasse ich die Metropole und freue mich, so viel von ihr gesehen zu haben.

Das schöne Santiago

In der Innenstadt Santiagos erinnert vieles an die bewegte Vergangenheit des Landes. Auch wenn mir die Hälfte des Geschichtsüberblicks schon wieder entfallen ist, gab es hier von der Auslöschung einer ganzen Kultur, über einen Militärstaat bis hin zur Demokratie schon die spannendsten Ereignisse. Einschusslöcher in der Statue vor dem Sitz des Präsidenten erinnern an einen Militärputsch, Kunstobjekte erzählen vom noch immer vorhandenen Streit mit den Mapuche, den Ureinwohnern Südchiles. Das Studentenviertel lockt mit Lokalen und Bars, die Kunstszene ist groß und der bekannte chilenische Poet Pablo Neruda wird von jedem Einwohner Santiagos verehrt. Prachtvolle Kirchen und Kathedralen, große Plätze und moderne Neubauten zeugen vom aufstrebenden Santiago.

Das besondere Santiago

Die netten kleinen Geschichten, die jeder Tourist gerne über eine besuchte Stadt erfährt, lernte ich auch über Santiago. Wie beispielsweise den Versuch in den 70er Jahren, in der Stadt eine Cafékultur aufzubauen, die über den täglichen Instantkaffe hinausgeht. Im sogenannten Café con Piernas, dem „Café mit Beinen“, wurde der Kunde von schönen Frauen in besonders kurzen Röcken bedient und erhielt zusätzlich noch die Gelegenheit für ein bisschen Smalltalk mit den hübschen Kellnerinnen. Eine Geschäftsidee, die sich bis heute bewährt hat. Nur die Weiterentwicklung für weibliche Kundinnen, das „Café con tres Piernas“, hat sich nie durchgesetzt.
Typisch Santiago ist auch der Mote con huesillo, ein Drink aus gekochtem Weizen, Pfirsichen und Pfirsichsaft. Dieser wird an jeder Straßenecke zum Verkauf angeboten. Und auch ganz allgemein gilt: wenn es nicht klebrig süß ist, ist es nicht aus Santiago. Deshalb mischen die Menschen hier ihren Pisco auch nicht zu einem Pisco Sour, wie oft fälschlicherweise behauptet, sondern zu einer PisCola. Oder man bestellt sich ein Terremoto: Das „Erdbeben“ besteht aus schlechtem Weißwein, einem bitteren Schnaps und Ananaseis. Den Namen hat er Drink von dem Gefühl, dass den Trinker beim Aufstehen erwartet 😉

Die für mich besonderste Erlebnis in Santiago: Die Tänzer des Swingtiago. Rein zufällig habe ich die jungen Swingtänzer Sonntagabends erlebt, die einen kleinen Platz in der Innenstadt zum Leben erweckten. Tänzer unterschiedlichsten Niveaus treffen sich zum spontanen Tanz und zeigen neugierigen Besuchern ihr Können. Im fahlen Licht der Straßenlaternen flattern leichte Röcke und Füße fliegen so schnell über den Boden, dass ich stundenlang fasziniert zusehen könnte. Denn auch das ist Santiago: Junge Menschen, die ihre Stadt zu etwas besonderem machen möchten.

Das hässliche Santiago

Doch wie jede Großstadt zeigt auch Santiago sein hässliches Gesicht. Ich habe Matratzen auf Bürgersteigen gesehen und Deckenberge auf Parkbänken. Alte Männer verkaufen auf der Straße Pflaster oder Taschentücher, Frauen bieten neben einem Kinderwagen eine Kiste mit Empañadas zum Verkauf an. Junge Männer grillen am Busbahnhof Fleischspieße in Einkaufswägen oder schmieren Sandwiches. Ein alter Mann schläft vor dem Club der reichen Einwohner Santiagos mitten in der Innenstadt.
Die Lücke zwischen Arm und Reich scheint in Chile größer zu sein als in Deutschland. Ob und wie diesen Menschen geholfen wird, weiß ich nicht. Ich habe keine Ahnung, wie hoch die Arbeitslosenrate ist oder die Obdachlosenquote. Ich weiß nur, was ich gesehen habe und das prägt meinen Eindruck von Santiago, der Hauptstadt Chiles, genauso sehr, wie die schönen Künstlerateliers, Boutiquen und Straßencafés. Außerdem war ich nur einmal außerhalb des Stadtzentrums. Schwer zu sagen also, wie die Menschen außerhalb der wenigen Touristenbereiche leben.

Ein Besuch Santiagos ist absolut Pflicht bei jedem Chileurlaub. Hier gibt es viel zu entdecken und zu erleben, Fotos zu schießen und Berge zu erklimmen. Warst du vielleicht selbst schon dort? Was hat dir am besten gefallen, was war dein Eindruck dieser riesigen Stadt?
Ich schicke dir liebe Grüße aus Santiago, bis heute war ich einer von sieben Millionen Menschen hier.

Annka Die Schönheit des Lebens

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