Nach der Weltreise – Ankommen in der Heimat

Nach etwas mehr als 10 Monaten Reise sind wir Ende 2017 wieder in Deutschland angekommen. Und es war kalt. Sehr kalt. Während der wenigen Sonnenstunden der Tage versuchten wir uns irgendwie wieder in der Heimat zurechtzufinden. Heute erzähle ich dir von meinen Erfahrungen damit und wie ich es geschafft habe.

Das ist wirklich keine leichte Situation. Nach 11 Monaten an allen möglichen Orten dieser Welt kam ich als ein etwas anderer Mensch zurück nach Hause. Ich habe Erfahrungen gemacht und Dinge gesehen die hier sonst niemand hat und auch nur wenige Menschen nachvollziehen können. Und auch davon zu erzählen ist verdammt schwer.

Niemand versteht dich

„Und wie war’s so?“ – Als gäbe es irgendeine passende Antwort auf diese Frage zu dem riesigen Abenteuer, das im vergangenen Jahr mein Leben war. „War der Hammer, ich kann das leider nur ganz schwer beschreiben.“ befriedigt nur einen Bruchteil der Fragenden. „Und wo hat’s dir am Besten gefallen?“ – eine weitere Frage ohne eine ihr auch nur annähernd gerecht werdende Antwort. Denn jeder Ort war einfach nur bezaubernd, auf Grund seiner Schönheit oder Andersartigkeit oder überwältigenden Furchtbarkeit. Es ist einfach unmöglich zu beschreiben wie man sich in den Minen von Potosí fühlt oder am höchsten See der Welt. Oder beim Sonnenaufgang auf der Salar de Uyuni. Ok ich schweife ab. Sich bewusst zu machen, dass man all diese Erfahrungen, die einen so bewegt und verändert haben, nur für sich selbst hat und niemand zuhause nachvollziehen kann, was diese in einem bewegen, ist nicht so einfach. Man kommt nach Hause und niemand versteht was einen die letzten Monate so sehr beeinflusst hat.

Was mir dabei sehr geholfen hat, war die Tatsache dass ich nicht alleine unterwegs war und viele Erlebnisse mit meinem Reisebegleiter teile. Gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen ist wahnsinnig schön und auch noch mal durch die tausenden von Fotos zu klicken holt die Momente wieder ein Stück näher. Um nicht allzu schnell zu vergessen was ich im letzten Jahr erlebt habe, versuche ich mich manchmal bewusst an bestimmte Orte oder Ereignisse zu erinnern. Und es hilft natürlich auch sehr gut besonders interessierten Zuhausegebliebenen von einzelnen Situationen zu erzählen.

Deutschland vs. der Rest der Welt

Nachdem man so lange Zeit fremde Kulturen und so andersartige Lebensumstände kennen gelernt hat ist es seltsam wieder im sauberen Deutschland zu sein, in dem sich alle an Regeln halten bzw. es überhaupt welche gibt. Noch tagelang habe ich mich zweimal umgesehen bevor ich eine grüne Ampel überquert habe, in der ständigen Erwartung dass die anderen wie gewohnt einfach bei rot drüber heizen. Allerdings sind wir Deutschen auch nicht das freundlichste Volk der Welt, Fremden gegenüber oft skeptisch und irgendwie kümmert jeder sich am liebsten um sich selbst (Achtung: Verallgemeinerung 😉 ). Wenn man es jedoch gewohnt ist ständig auf der Straße angesprochen zu werden von Menschen, die einfach nur an deiner Geschichte interessiert sind, fühlt es sich in Deutschland etwas einsam an.

Dafür bietet Deutschland auch so viel schönes, sodass es nicht allzu schwer ist sich hierauf zu konzentrieren. Freunde und Familie wiederzusehen ist ein großartiges Gefühl. Supermärkte sind ein Paradies! So viele frische und unterschiedliche Lebensmittel gab es sonst nirgends auf der Welt auf so kleinem Raum. Und auch vieles andere ist so viel einfacher als in einem fremden Land. Was ich aber dringend empfehlen würde: versuche im deutschen Sommer wieder zu kommen! Diese kurzen trüben Tage nach monatelangem Sonnenschein zu ertragen, ist wirklich kein leichtes Unterfangen.

Unsicherheiten aushalten

Wenn du so lange unterwegs warst, hast du vermutlich deine Wohnung aufgelöst, deinen Job gekündigt und wirst eventuell sogar in einer neuen Stadt deinen nächsten Lebensabschnitt beginnen. Nachdem ich ein Jahr außerhalb von Deutschland gelebt habe bin ich zu einem Berg an Unsicherheiten zurückgekehrt. Wo werde ich wohnen, welchen Job finde ich, wie wird mein Alltag sein und wie diese unfassbar anstrengende Phase zwischen jetzt und meinem neuen Leben? Wenn dein Leben lang klar war, wie es weiter geht, ist es schwierig diese völlige Planlosigkeit auszuhalten. Auch wenn wir während der Reise konstant planlos waren, ging es dabei um nichts und diese Freiheit war großartig. Aber wenn es darum geht, sich eine Zukunft in Deutschland aufzubauen, wird alles irgendwie nervenaufreibender.

Falls irgendwie möglich: Versuche all diese Fragen schon im Vorhinein zu klären. Das nimmt dir in der Eingewöhnungsphase eine riesige Last von den Schultern, und das Eingewöhnen ist auch so schon schwer genug. Organisiere dir aber auf jeden Fall eine Übergangslösung, behalte noch einen Teil deines Ersparten damit du nicht sofort auf dem Trockenen sitzt und versuche, diese Zeit so angenehm wie möglich zu machen. Die Königsdisziplin: Genieße deine Freizeit solange du sie noch hast (ich habs zumindest versucht).

Der Sog des Alltags

Inzwischen hat der geregelt Alltag mich wieder, Job und Wohnung werden immer selbstverständlicher und dass ich vor einem Jahr in Neuseeland in einem Auto gewohnt habe fühlt sich surreal an. Nach nur wenigen Wochen in Deutschland beschäftigt man sich wieder mit typischen Problemen wie Bahnstreiks, Kleiderwahl und warum die Nachbarn genau dann rasenmähen wenn man in Ruhe grillen will. Die wahren Probleme eben. Der Junge im burmesischen Dschungel, mit dem wir auf einem Baumhaus übernachtet haben, ist froh dass es überhaupt einen Bahnhof in seinem Dorf gibt und er vernünftige Kleidung hat. Von den steineschleppenden Minenkindern in Bolivien möchte ich gar nicht erst anfangen.

Es ist erschreckend wie schnell man die Welt vergisst und wieder in seinem eigenen kleinen Universum lebt. Ich versuche natürlich mich immer wieder zu erinnern, doch dafür muss man sich bewusst Zeit nehmen. In solch ruhigen Momenten schafft man es, das eigene Leben wieder in die richtige Dimension einzuordnen. Denn auch wir sind nur einer von unzähligen Menschen die diese Erde beleben.

Zukunft gestalten

Wie du auch an der ewig langen „Schreibpause“ auf diesem Blog erkennst, hatte ich in letzter Zeit wenig Bedürfnis mich mitzuteilen. An diesem Artikel schreibe ich schon seit Februar, auch jetzt stelle ich ihn aus reiner Gewissenhaftigkeit fertig. Deshalb ein kleines Update über die Zukunft von Die Schönheit des Lebens: Bis ich wieder Lust und neue Themen für den Blog habe, bleibt es hier erst einmal still. Auf Instagram werde ich aber wieder aktiver sein, schau also gerne vorbei.

Ich hoffe, dass dieses Jahr nicht ganz so ereignisreich wird wie das letzte, aber mindestens genauso lehrreich, spannend, glückbringend und wundervoll. Und vielleicht noch die ein oder andere Reise bereit hält…

Alles liebe, deine

 

 

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