Markt in Santiago – ein Beschreibungsversuch – #9

Der Süden Santiagos bietet am Wochenende tausenden Besuchern die Möglichkeit, sich durch einen quadratkilometergroßen Markt zu wühlen. Unser Abstecher dorthin war überfordernd und aufregend und es war definitiv der verrückteste Markt, auf dem ich je war.

Der Aufbau

Die Marktfläche erstreckt sich über mehrere Häuserblocks, ich würde ihn so auf 15 mal 10 Blocks aus großen Verkaufshallen schätzen. Also vielleicht so 40 Fussballfelder? In jeder Halle werden bestimmte Bereiche von Waren angeboten, von Möbeln über Lebensmitteln bis zu Kleidung und Friseursalons findet man hier alles. Es gibt nichts was es nicht gibt. Und zusätzlich zu diesem Markt gibt es vor allen Markthallen Flohmarktstände, auf denen Gebrauchtes und Ungeliebtes an den Mann oder die Frau gebracht werden soll.

Was erlebt man auf einem Markt wie diesem?

Die erste Halle, in die wir uns hineintrauen, ist die Fischhalle. Von unzähligen Theken glotzen uns riesige Lachse und Haie entgegen, es gibt Makrelen und Muscheln, Seeigel und Doraden und noch unzählige andere Meeresbewohner, die wir keiner uns bekannten Art zuordnen konnten. Männer brüllen auf der Suche nach Kunden um die Wette, Frauen filetieren gekonnt Fische und wirken eher unbeeindruckt vom geschäftigen Treiben vor den Ständen. Die Menschen drängen an den Waren vorbei auf der Suche nach ihrem Lieblingsverkäufer, auch wenn wir das Gefühl haben, dass sowieso überall das Gleiche angeboten wird.

Fleisch und Innereien

Nach zwei Hallen Fisch und Meeresgetier finden wir uns plötzlich zwischen ganzen Hühnern und Kuhbeinen wieder. Die riesigen aufgetürmten Fleischberge werden nicht mal alibimäßig gekühlt, hier scheint das aber auch niemanden zu stören. Wir lassen uns vorbeitreiben an Fleisch und Innereien, Wurst und allerlei Körperteilen die noch erschreckend sehr an das ursprüngliche Tier erinnern. Ein Mann bahnt sich mit lautem Geschrei den Weg an uns vorbei und schiebt das riesige Rinderbein auf seiner Schulter durch die Menschenmenge. Ohne irgendeine Plastikverpackung versteht sich. Verkäufer und Kunden feilschen in schnellem Spanisch um Preise und nach einigen Minuten Gedränge haben wir auch die Fleischhallen durchquert.

Die Mischmaschhallen

Weil unser Begleiter gerne ein paar gebrauchte Schallplatten verkaufen möchte, machen wir uns auf einer der Hauptstraßen auf den Weg zu einer der Antikmarkthallen. Auf einem kleinen Platz spielt eine Band überraschend gut Musik, rechts und links an den Straßenrändern bieten Frauen und Männer lautstark ihre Waren an. Ein Mann mit zwei Eseln versperrt uns den Weg. Nach einigen Minuten erreichen wir unser Ziel und biegen wieder in eine der Hallen ein. Hier gibt es Stände mit alten Motoren neben Läden mit Fahrrädern, stylischen Plakaten und Postern, Kinderkleidung und Empañadas. Zwei Mädchen auf Rollschuhen rasen fast in mich hinein und als ich ihnen ausweiche, stehe ich plötzlich zwischen Klopapierrollen und Shampoo in einem weiteren Marktstand. Wir bahnen uns unseren Weg Richtung Schallplatten durch Legofiguren und alte Nintendospiele, antike Stühle und Schminktische verengen manchmal den Weg.

Und es wird nicht einfacher

Als wir endlich den gesuchten Schallplattenstand erreichen, sind wir vor lauter Eindrücken völlig erschöpft. Zu Stärkung holen wir uns ein paar Stände weiter erst mal einen Italiano (Hot Dogs mit Tomaten, Avocadocreme und Mayo). Wir gehen vorbei an Batterien und Teekannen, Blaumännern und Pettycoats. Ein Mann ist vollständig in seinem Stand voller Werkzeug verschwunden und sucht für seinen Kunden nach einem ganz bestimmten Gegenstand. Riesige Fleischstücke braten in den Pfannen der Imbissstände.
Nachdem unser Begleiter seine Geschäfte erledigt hat, lassen wir uns weiter über den Markt treiben. Die Markhallen voller Kleidung und Schuhen schauen wir gar nicht richtig an, wir eilen weiter vorbei an Sofas und Friseursalons, Ständen voller Socken und Zigarettenpapierchen. Die Musiker spielen immer noch und auch der Mann mit den Eseln steht noch an der Kreuzung. In der angrenzenden Markthalle könnte ich mir neue Nägel verpassen lassen, eine Halle weiter gibt es kurze Kleidchen und Bikinis. Auch hier laufen wir nur vorbei und lassen alle Eindrücke auf uns einprasseln.

Und das Fazit?

Letztendlich haben wir nach stundenlangem Laufen nichts gekauft. Dieser überfordernde Markt hat uns keine Gelegenheit gegeben, in Ruhe über ihn zu schlendern. Hier wird man sicherlich fündig, wenn man etwas Bestimmtes sucht. Und hier bekommt man es sicherlich zu einem guten Preis. Aber um über einen schönen Markt zu schlendern, sollte man vielleicht lieber einen anderen Ort auswählen. Da kein einziges Bild diesen Ort annähernd wiederspiegeln könnte, wird dies mein erster Beitrag ohne Fotos sein. Ich hoffe, ich konnte trotzdem einen kleinen Einblick in diesen großen Markt bieten, sein Gedränge und Chaos beschreiben und die wahnsinnige Warenvielfalt darstellen. Und nicht vergessen: ich habe höchstens 30% des Marktes gesehen, wer weiß wie die anderen 70 aussehen.
Überwältigte Grüße aus Santiago

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