Eine Knochenmarkspende rettet Leben -Teil II

Wer sich bei DKMS als Stammzellspender registrieren lässt hat vielleicht irgendwann mal das Glück, einem anderen Menschen das Leben zu retten. Aber wie läuft eine Knochenmarkspende eigentlich ab? Ich darf einen Knochenmarkspender begleiten und erzähle dir, wie es wirklich ist.

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Falls du den ersten Teil meiner Reihe zur Knochenmarkspende von Paul noch nicht gelesen hast, dann klicke hier.

Der Tag vor der Knochenmarkspende

Am Tag vor der Spende reist der Spender in der Klinik an und bezieht abends sein Zimmer. Den Ort der Spende kannst du dir übrigens aussuchen, es gibt ein paar Kliniken in Deutschland die eine Knochenmarkspende durchführen. Paul hatte seine Spende in der Cellex Klinik in Köln, die direkt am Mediapark gelegen ist. Als Begleitperson wurde ich in einem nahegelegenen Hotel untergebracht und durfte es mir hier im Einzelzimmer gemütlich machen. Alle Kosten hierfür und auch die Fahrtkosten, ein Abendessen und sonstige Unkosten wurden von der DKMS übernommen. Man hat also als Spender keinerlei finanzielle Ausgaben!

Cellex Köln Knochenmarkspende

Der Spendentag

Am Tag der Knochenmarkspende wurde Paul morgens um 8 Uhr in den OP gebracht und narkotisiert. Noch mal zur Erinnerung: Es handelt sich hier um eine Knochenmarksspende und nicht um eine periphere Stammzellspende. Letztere wird viel häufiger durchgeführt (etwa 80%), dabei werden die Stammzellen direkt aus deinem Blut gewonnen. Wie genau diese abläuft kannst du dir gerne auf der Seite der DKMS anschauen. Bei der Knochenmarkspende wird die Spende direkt aus dem Beckenknochen des Spenders entnommen. Das Ganze ist für den Spender recht ungefährlich und geht auch ziemlich schnell: Vollnarkose, zwei Stiche in den unteren Rücken und nach 2 Stunden ist alles vorbei.

Horrorgeschichten – natürlich alles Quatsch!

Seit klar war, das Paul die Möglichkeit hatte Knochenmark zu spenden, habe ich mir so einige Gruselgeschichten von besorgten/ uninformierten Mitmenschen anhören müssen. Man würde mit einer Nadel in die Wirbelsäule des Spenders stechen. Die Spender wären danach wochenlang krank. Das Risiko für Krebs uns sonstige schlimme Krankheiten würde durch die Spende drastisch ansteigen.

So ein Bulls***! Kein Arzt sticht irgendeinen Knochenmarkspender ins Rückenmark, das Knochenmark wird aus dem Beckenkamm entnommen und das ist ziemlich ungefährlich. Und krank war Paul auch nicht. Nicht einen einzigen Tag! Nach der Spende fühlte sich der untere Rücken wohl an, als hätte er sehr starken Muskelkater. Aber allein die Tatsache, dass er schon am Abend nach der Spende wieder aus der Klinik durfte und durch die Gegend spazierte zeigt ja schon, dass dieser Eingriff für einen gesunden Menschen wirklich gut zu verkraften ist. Das einzige, was Paul noch länger gemerkt hat war, dass seine Kondition etwas schlechter wurde. Bis die sich wieder auf Vor-OP-Niveau aufgebaut hatte, dauerte es ein paar Wochen. Aber bis auf das und zwei winzige Narben am Rücken hatte die Spende für ihn keinen Nachteil. Und für die Chance, jemanden mal kurz an einem Montagmorgen das Leben zu retten, kann man das wohl in Kauf nehmen.

Cellex Köln Knochenmarkspende

Die Zeit in der Klinik

Die Cellex-Klinik in Köln war auch wirklich ein ganz angenehmer Ort um dort die Nächte nach der Spende zu verbringen. Die Zimmer sind riesig und die Station hat nichts mit einem „normalen Krankenhaus“ gemein. Die Pfleger und Ärzte sind sofort zur Stelle, alle total freundlich und hilfsbereit. Diese angenehme Atmosphäre macht es dem Spender wirklich leicht, sich trotz der Aufregung vor dem Eingriff wohl zu fühlen.

Paul hatte außerdem einen super netten Mitbewohner. In dem großen Zimmer haben die beiden gemeinsam die 3 Tage verbracht, sein Bettnachbar war direkt nach ihm im OP und mit so einer gemeinsamen Erfahrungen gibt es natürlich viel zu besprechen. Die Spende verbindet nicht nur den Spender mit dem Empfänger, man erlebt auch etwas das sonst nur wenige andere Menschen erleben durften. Ich glaube, dass man so besonders schnell einen Draht zueinander findet. Sich mit jemandem austauschen zu können, der genau das gleiche tut, hilft einem doch noch etwas mehr wie wenn ein Arzt oder Freund mit einem spricht.

Wie geht’s weiter?

Paul musste dann noch eine Nacht zur Überwachung in der Klinik bleiben und durfte anschließend nach Hause gehen. Damit ist der ganze Spuk auch wieder vorbei und jetzt wird es für den Empfänger spannend. Je nachdem, wo dieser lebt, wird das Knochenmark noch am selben Tag von einem Kurier per Auto/ Zug/ Flugzeug zur Klinik gebracht und so schnell wie möglich transplantiert. Pauls Knochenmark wurde, zusammen mit anderen Spenden, in die USA geflogen und dort transplantiert. Alle Informationen, die man sofort nach der Spende über den Empfänger erfährt, sind das Alter, Geschlecht und das Herkunftsland. Die richtig spannende Frage wird dann ein paar Wochen später durch die DKMS beantwortet: Hat die Spende geholfen? Paul hatte das Glück, dass es dem Empfänger in den USA wenigen Tagen nach der Transplantation schon so gut ging, dass er die Klinik wieder verlassen konnte. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass sein Zustand auch so bleibt. Die Möglichkeit das von der DKMS immer wieder zu erfragen, gibt es auf jeden Fall. Und es könnte auch sein, dass der Empfänger noch eine zweite Spende benötigt. Dann würde sich die DKMS natürlich auch wieder beim Spender melden.

Den Empfänger kennenlernen?

Wenn irgendwo auf der Welt ein anderer Mensch mit dem eigenen Knochenmark rumläuft, ist es natürlich interessant diese Person auch kennen zu lernen. Man ist schließlich auf ganz besondere Weise verbunden. Die Möglichkeit hat man auch, allerdings erst nach zwei Jahren. Bis dahin darf Paul dem Empfänger Briefe schicken, allerdings ohne irgendwelche Informationen zu sich selbst. Mal sehen, wie sich Paul in zwei Jahren entscheidet… Was würdest du tun?

Cellex Köln Knochenmarkspende

Fragen zur Knochenmarkspende?

Wenn du noch ganz bestimmte Fragen zur Knochenmarkspende hast, dann schreib mir gerne! Oder informiere dich bei der DKMS. Hier gehts auch direkt zur Seite auf der du das Registrierungspaket bestellen kannst – für dich absolut kostenfrei und schmerzlos, für einen Blutkrebspatienten vielleicht lebensrettend!

Und was sind das für Fotos gewesen?

Die Fotos dieses Artikels durfte ich in der Cellex Klinik in Köln machen. Die Postkarten wurden von den Kurieren an die Klinik geschickt aus der Stadt, in die sie die Stammzellen transportiert haben. Wie du siehst, gehen die Spenden in die ganze Welt! Die Markierungen auf der Weltkarte sind ebenfalls die Orte, in denen die Empfänger die Spenden transplantiert bekommen haben. Und das sind nur die Orte der Klinik in Köln…

Ich wünsche dir nur das Beste, erfreue dich an dem Hier und Jetzt. Alles Liebe

annka-Unterschrift

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