Unsere Gefühle – Die Hochs und Tiefs des Alltags

Die letzten Tage haben mich dazu inspiriert, etwas über Gefühle zu schreiben. Über dieses emotionale Hin und Her, das sich minütlich ändern kann und manchmal nicht mal für uns selbst nachvollziehbar ist. Was sind Emotionen eigentlich und wieso lasse ich mich manchmal so von ihnen mitreisen?

Gefühle regulieren Tipps

Das Gefühl, dass sich mir in den letzten Tagen am meisten ins Gedächtnis gebrannt hat, ist Überforderung. Manchmal scheint einfach alles zu viel zu sein und man hat weder die Zeit noch die Kraft alle Anforderungen, die das Leben so stellt, zu meistern. Meine erste Reaktion ist dann: Ruhig durchatmen und irgendjemand davon erzählen, in der Hoffnung dass derjenige mich versteht. Nachdem ich mich bei ein paar meiner Lieblingsmenschen ausgeheult und mich von der Musik einer lieben Freundin beruhigen ließ, ging es mir auch schon viel besser. Eine lange Umarmung später ist aus der Überforderung schon wieder Tatendrang geworden. Nur eine knappe Stunde nach dem Überforderungs-Gefühl-Höhepunkt war ich schon wieder voll konzentriert bei der Sache. Ein Plan muss her! Und zwei Tage, ein paar Stunden Sport und einige erledigte Aufgaben später sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Zufriedenheit macht sich breit. Und ein Gefühl der Sicherheit, dass man alles schaffen kann, wenn man nur will. Und Stolz, darüber dass ich diese stressige Situation überwunden habe.

Die positiven Emotionen sind auf dem Vormarsch

Kaum sind die negativen Gedanken verflogen, erobern sich die positiven Emotionen meine Gefühlswelt zurück. Freude über ein tolles Lob für meine Fotos, entspannte Zuversicht während ich meinen täglichen Cappuccino schlürfe und denke: Andere haben das auch geschafft, wieso sollte das bei dir anders sein. Dieses Glücksgefühl, wenn du merkst dass ein anderer Mensch an dich denkt. Die Vorfreude auf einen tollen Abend mit lieben Menschen. Diese positiven Emotionen machen es sich jetzt erst mal in meinen Gedanken gemütlich und verteilen überall ihre provokanten Flugblätter: „Wir sind nicht zu stoppen“! Die Überforderung sehe ich so schnell nicht wieder, es lebe der Optimismus! 🙂

Was kann ich tun gegen negative Gefühle?

Emotionen sind schon eine komische Sache. Sie können so schnell verfliegen wie sie gekommen sind, reisen uns mit und sind manchmal nur schwer zu steuern. Emotionsregulation nennen das übrigens die Psychologen, wenn wir versuchen unsere Gefühle zu beeinflussen. Emotionen sind veränderbar – zum Glück – und zwar von uns selbst. Wir sind ihnen nie schutzlos ausgeliefert. Wir müssen sie nicht ertragen bis sie sich von selbst verabschieden, sondern können eigenmächtig entscheiden, ob sie bleiben dürfen oder nicht. Mit der richtigen Strategie kann so ein unliebsamer Gast ziemlich schnell vor die Tür gesetzt werden. Und damit du bei deinem nächsten Anflug von Gefühlschaos weißt, was zu tun ist, habe ich hier ein paar Tipps für dich:

Verändere deine Gefühle durch

1. Situationsauswahl und -änderung

Wenn du die Möglichkeit hast: Verlasse die Situation, die bei dir negative Gefühle hervorruft uns suche eine, die positive Emotionen auslöst. Das ständigen Genörgel deiner Nachbarin zieht dich runter? Dann geh ihr aus dem Weg (für die Faulen), sag ihr was dich stört (für die Mutigen) oder versuch ihr irgendwie zu helfen, so dass sie nicht mehr so viel Grund zum Motzen hat (für die Motivierten).

2. Aufmerksamkeitslenkung

In einer konkreten emotionsauslösenden Situation kannst du deine Aufmerksamkeit gezielt auf etwas anderes lenken, um das unerwünschte Gefühl loszuwerden. Wenn du dich darüber aufregst, dass dein Nachbar schon wieder nicht die Mülltonnen rausgestellt hat, dann denke daran, dass er dafür erst gestern den Hof gefegt hat – schon wird dein Ärger nicht mehr ganz so groß sein. Wenn du dich jedoch auf die vergessenen Mülltonnen konzentrierst, wird es nur dazu führen, dass du dich ewig in diesem fiesen Ärgergefühl suhlst und am Abend wutendbrandt deinen Nachbar anschnautzt. Allerdings schadet das im Endeffekt nur dir selbst, schließlich hast du jetzt seit Stunden schlechte Laune und dein Nachbar wundert sich bloß, was du für ein unausgeglichener Mensch bist. Es sind schließlich nur Mülltonnen. Du könntest also auch einfach versuchen den Ärger in etwas neutrales oder positives zu verwandeln und dann in aller Ruhe deinen Nachbar darauf ansprechen. Der wird auf deine Bitte sowieso lieber eingehen, wenn du ihn nett und höflich auf die Vereinbarung hinweist, anstatt direkt mit Fackel und Mistgabel vor seiner Tür zu stehen.

3. Kognitive Veränderung

Die dritte bzw. vierte Möglichkeit ist, die Situation anders zu bewerten und so deine Emotionen zu ändern. Wenn das mit der Aufmerksamkeitslenkung nicht funktioniert hat, versuche doch einmal mit einer Veränderung deiner Gedanken über die Situation. „Dein Nachbar war vielleicht einfach total im Stress heute morgen, er hat ja jetzt auch diesen neuen Job und muss immer so früh los. Außerdem ist er sonst sehr zuverlässig, dass war also bestimmt ein einmaliges Versehen. Du warst ja noch rechtzeitig draußen um die Tonnen selbst rauszustellen, es ist also eigentlich gar nichts passiert. Wenn du ihn heute Abend daran erinnerst, hat er sicherlich Verständnis und es wird nicht mehr vorkommen.“ So einfach geht das – theoretisch.

4. Reaktionsänderung

Sollte dir auch das nicht gelingen, bleibt dir nur noch die Reaktionsänderung. Anstatt wutschnaubend zur Wohnung deines Nachbarn zu ziehen und ihm deine Meinung zu sagen, solltest du dich lieber kurz hinsetzen und durchatmen. Okay, du bist momentan auf 180, aber überleg doch noch mal ob das alles so sinnvoll ist. Auch wenn du dein Herz grade ziemlich schnell schlagen spürst, solltest du dir erst noch mal überlegen, wie du deinem Nachbar gegenübertreten willst. Wahrscheinlich ist ein ruhiges Gespräch sehr viel zielführender als ihn nur anzuschreien. Die erste Reaktion ist hier nicht immer die beste.

Puhh, das wäre erst mal geschafft!

 

Nachbar Emotionen Gefühle

Dein Nachbar hat dich lieb!

Diese 4 bzw. 5 Emotionsregulationsstrategien hat sich übrigens ein kluger Psychologe namens James Gross überlegt und sie bilden die Grundlage verschiedenster Modelle zu diesem Thema. Ich finde es ziemlich beruhigend zu wissen, dass wir in jeder Situation so viele Möglichkeiten haben, negative Emotionen zu vermeiden und uns dadurch besser zu fühlen. Vielleicht hilft es dir ja auch, wenn du das nächste mal schlecht gelaunt bist, weil XYZ schon wieder nicht geklappt hat.

Und wie hab ich das gemacht?

Meine Reaktion auf die Überforderung, von der ich dir erzählt habe, war übrigens eine Mischung aus verschiedenen Strategien. Da ich die Situation leider weder verlassen noch ändern konnte (mein Studium abbrechen war irgendwie keine Alternative 😉 ) habe ich erst mal die Aufmerksamkeitslenkung probiert. Weg vom Problem, hin zu guter Musik und lieben Menschen. Das ist natürlich keine Dauerlösung, aber für den Weg nach Hause kann man das schon mal nutzen 😉 Nachdem das den ersten Schock abdämpfen konnte, bin ich zur kognitiven Veränderung übergegangen. Ich habe mir einen Überblick verschafft und alle meine Aufgaben, Termine und Deadlines in einen übersichtlichen Kalender geschrieben. Schon hat das Problem einiges an Bedrohlichkeit verloren. Da war dann auch keine Reaktionsänderung mehr nötig, das mit dem heulend auf dem Sofa liegen hab ich einfach übersprungen 😉

Ich erfreue mich jetzt noch ein Weilchen an all den positiven Gefühlen, die momentan so in meiner Gefühlswelt umherspazieren und wünsche dir noch einen wundervollen Tag.

Alles liebe und viele positive Emotionen, deine

annka-Unterschrift

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