Die Todesstraße, Bolivien – #14

Die Todesstraße in Bolivien galt lange Zeit als gefährlichste Straße der Welt und führt vom Hochland bei La Paz ins mehrere tausend Meter tiefer liegende Umland von Coroico. Mit Barracuda Biking wagten wir den Versuch, diese Straße auf einem Mountainbike zu bezwingen.

Todesstraße Bolivien

Die Todesstraße in Bolivien

Der Camino a los Yungas ist eine bolivianische Straße, die durch mehrere Klimazonen und in etwa 60 Kilometern 3600 Meter in die Tiefe führt. Die Bezeichnung der Yungas Road als „gefährlichste Straße der Welt“ oder „Todesstraße“ scheint angesichts der vielen Menschen, die hier in den Abgrund gestürzt sind, nicht ganz unberechtigt. In der Vergangenheit drängten sich hier Autos, Busse und Lastwagen die schmale Schotterstraße hinauf und hinunter, während es an einer Seite hunderte Meter in die Tiefe geht. Da es seit einigen Jahren eine Umgehungsstraße gibt, wird die Todesstraße heute hauptsächlich von Mountainbikern genutzt, die irre genug sind hier mit dem Fahrrad runter zu jagen. Natürlich haben wir uns dieses Spektakel nicht entgehen lassen!

Todesstraße Bolivien

Die Qual der Wahl

Von La Paz aus bieten unzählige Agenturen eine Mountainbiketour auf der Todesstraße an und jeder Interessierte muss erst einmal entscheiden, welchem Fahrrad und Guide er sein Leben anvertraut. Nach ausgiebiger Recherche im Internet und Preisvergleicherei, haben wir uns für Baracuda Biking entschieden. Diese Agentur will vor allem jüngeren Leuten mit kleinerem Budget ein tolles und sicheres Erlebnis bieten. Außerdem werben sie mit der No-Bullshit-Garantie und haben auch bei uns gehalten, was sie versprochen haben. Dies ist sicherlich nicht der billigste Anbieter, aber wir wollten wenigstens beim Equipment kein Risiko eingehen, wenn wir schon eine Straße mit so eindrucksvollem Namen hinunterfahren. Rückblickend hat es sich absolut gelohnt, denn sich voll auf das Mountainbike unter sich verlassen zu können, während es über Steine und durch Flüsse heizt, nimmt einem zumindest einen Teil der Nervosität. Mit dem Abgrund, der sich wenige Zentimeter links von einem auftut, muss man irgendwie selbst klarkommen 😉.

 

Die Eingewöhnungsstraße

Die Biketour startet etwa 20 km oberhalb der eigentlichen Todesstraße, sodass man noch einige Höhenmeter Zeit hat, sich auf einer asphaltierten Straße an das Rad zu gewöhnen. Schon dieser Teil der Strecke bietet atemberaubende Ausblicke auf nebelverhangene Berge und tiefe Täler. Auf etwa 4700 Metern ist es kalt und trotz jeder Menge Schutzkleidung, pfeift einem der eisige Fahrtwind unangenehm ins Gesicht. Gut, dass wir so viele Stopps für Fotos einlegen, dann können sich die kalten Glieder wieder erholen, bevor es mit bis zu 60km/h weiter bergabwärts geht. Aber keine Sorge, niemand muss hier so heizen! Unser Guide Christian ermahnt uns immer wieder nur so schnell zu fahren, wie wir uns zutrauen. Außerdem gibt’s vor jeder Etappe genaue Instruktionen, was es zu beachten gibt, wo der Wind am stärksten bläst und welche Kurve besonders steil ist. Kurz darauf stürzt sich unsere kleine Gruppe wieder den Abhang hinunter.

Nachdem wir den Asphaltteil der Straße hinter uns gebracht haben, geht’s den ersten Abschnitt der eigentlichen Todesstraße hinunter. Es regnet zwar immer noch, aber inzwischen ist es nicht mehr ganz so kalt. Nachdem ich mich ein bisschen an das Rad und den Abgrund neben mir gewöhnt habe, macht es einfach nur noch Spaß! Dank Christian und William, unseren beiden Guides, fühle ich mich nie unsicher oder zu irgendetwas gedrängt, was ich mich eigentlich nicht traue. Das Mountainbike meistert jeden noch so steinigen Streckenabschnitt und hat auch mit den vielen kleinen Bachläufen, die wir überqueren, keine Schwierigkeiten.

Der Wechsel der Klimazonen

Je tiefer man kommt umso wärmer wird es und der Nebel verzieht sich langsam. Jetzt ist der Blick auf die tiefen Täler links von uns erst richtig frei und die Fahrt auf die nächste steile Rechtskurve veranlasst mich dann doch zum stärkeren Abbremsen. Um entgegen kommende Fahrzeuge rechtzeitig zu sehen, sollen wir nämlich immer möglichst weit links, also am Abhang, fahren. Das kostet echt Überwindung, kommt aber daher, dass die Autofahrer nur so ganz an den Rand der Straße fahren können um entgegen kommende Fahrzeuge vorbei zu lassen.

Falls du selbst mal in La Paz bist, kann ich dir die Tour nur ans Herz legen. Ob als Mutprobe oder spaßige Fahrradtour, die steilen Abgründe und wunderschönen Aussichten wirst du so schnell nicht vergessen!
Die Tour mit Baracuda Biking zu machen, würde ich übrigens auch weiterempfehlen. Die Ausrüstung und Betreuung sind super, die Guides waren echt nett und umsorgten die Gruppe wunderbar. Außerdem wartet nach der anstrengenden Tour ein Pool und leckeres Essen auf dich 😉

Ein wahnsinns Abenteuer und ein wahnsinns Spaß! Mal sehen was die Reise noch so an Irrsinn für uns bereit hält 😊 Vielleicht interessiert dich ja unsere Erlebnisse auf dem verrückten Markt in Santiago oder den bedrückenden Silberminen von Cerro Rico?

Viele Grüße von der Todesstraßenüberlebenden, deine

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