Chiloé, Chile – Ein Roadtrip – #5

Chiloé ist eine kleinere Insel im Süden Chiles südlich von Puerto Montt. Hier soll das Leben noch etwas gemächlicher zugehen und alte Traditionen gewahrt werden. Um abseits der Touristenbusrouten unterwegs zu sein, bietet sich natürlich ein eigenes Auto an. Was erlebt man so bei einem Roadtrip über Chiloé?

Zu allererst: Der richtige Soundtrack darf hier nicht fehlen. Beim Lesen des Artikels also bitte folgende typisch chilotische Musik hören. Und da es hier auch Tag und Nacht läuft, einfach immer den selben Song 😉

 

1. Steinige Straßen, Schlaglöcher, Rutschpartien
2. Kühe, Schweine und Hühner, Hunde sowieso
3. Die sonderbarsten Campingmöglichkeiten
4. Holzkirchen
5. Super freundliche Menschen und alles eine Nummer kleiner
6. Fremde Menschen beim Pinkeln
7. Curanto, Empañada und Lachs
8. Pure Natur

 

1. Steinige Straßen, Schlaglöcher, Rutschpartien

Eine Tour abseits der Touristenrouten bedeutet auf Chiloé gleichzeitig: abseits der betonierten Straße. Da auf den Karten kaum ersichtlich ist, welche Straße wie gut ausgebaut ist, kommt man da auch kaum drumherum. Da braucht man auch für ein paar Kilometer plötzlich überraschend lange. Es sei denn, man hat einen Jeep wie all die Einheimischen. Dann kann man einfach über jedes noch so tiefe Schlagloch heizen. Unser süßer Chevrolet Spark kann da leider nicht mithalten… Aber bis jetzt sind wir jeden Hang hoch gekommen 😉 Ach und was hier auch grandios gelöst ist: Anstatt Straßen in kleinen Abschnitten zu erneuern, werden mehrere Kilometer einspurig abgesperrt, an jedes Ende ein Bauarbeiter mit Funkgerät gesetzt und dann darf immer eine Fahrrichtung durchfahren. Da wartet man auch mal 10 Minuten bis alle entgegenkommenden Autos durchgefahren sind. Das würde in Deutschland wohl unzählige Demonstrationen und Gegendemonstrationen auslösen, hier wird einfach geduldig gewartet und dann freundlich dem Bauarbeiter gegrüßt.

 

2. Kühe, Schweine und Hühner, Hunde sowieso

Auf den Straßen Chiloés begegnen einem so einige Tiere. Wir wurden schon von Kühen und einem Stier aufgehalten, die sich die Straße als Pausenplatz ausgesucht haben. Dann heißt es warten, bis sich die Tiere entscheiden weiter zu ziehen. Dass Schweine, Hunde und Hühner am Straßenrand laufen ist hier auch keine Seltenheit. Dass ein ganzer Schwarm grüne Papageien direkt über unser Auto gezogen ist, haben wir aber erst einmal erlebt – wunderschön! Die Tiere findet man übrigens auch auf jedem Campingplatz, die Terrasse unserer Unterkunft heute Morgen war komplett mit Hühner gefüllt, als wir aufgestanden sind. Dafür gab es dann auch ein frisches Ei zum Frühstück.

3. Die sonderbarsten Campingmöglichkeiten

Ein „Campamento“ ist hier nicht mit Campingplätzen in Europa zu vergleichen. Ich erinnere mich noch an die riesigen Anlagen mit Pool, Abendprogramm, Kinderbetreuung, Restaurants und Shops sowie unzähligen sauberen Waschhäusern mit warmen Duschen. Unsere erste Nacht auf Chiloé verbrachten wir auf dem Gartenstück eines alten Mannes, der einfach ein Schild an seinen Zaun gehängt hat. Ein kleines Holzhüttchen mit Klo und ein Waschbecken mit kaltem Wasser, fertig ist der Campingplatz. Dafür zahlt man auch nur ein paar Euro pro Nacht… Für einige Euro mehr gibt es aber auch ein „Hospedaje“, ein Zimmer das privat von Einheimischen vermietet wird, oder ein Cabaña, eine kleine Hütte mit eigener Küche usw.

4. Holzkirchen

Chiloé ist bekannt für die unzähligen Holzkirchen, die über die ganze Insel verstreut von den Jesuiten erbaut wurden, die im 18. Jahrhundert versuchten die Einwohner zu missionieren. Diese gibt’s in unterschiedlichsten Farben und Größen, hier nur eine kleine Auswahl. Zusätzlich zum Christentum gibt es auf Chiloé viele alte Sagen und verwunschene Gestalten, vor denen man sich in Acht nehmen soll.

 

5. Super freundliche Menschen und alles eine Nummer kleiner

Die Chiloten sind ein sehr freundliches Volk. Viele stammen noch von einem Stamm der Maputchen ab, die schon ewig auf der Insel leben. Einige leben in einfachen Verhältnissen und versuchen, ihre Traditionen zu waren.

Hier überholt man auf den Straßen auch mal einen Ochsenwagen oder einen alten Mann, der auf seinem Pferd vom Einkaufen nach Hause reitet. Die Globalisierung hat hier noch nicht so zugeschlagen wie bei uns. Statt H&M und Aldi gibt es hier kleine Läden in denen es Kleidung und allerlei Krimskrams gibt, kleine Supermercados und Almacéns, in denen man alles fürs tägliche Leben bekommt. Wenn die Menschen merken, dass man kaum Spanisch spricht, versuchen sie es einem mit Händen und Füßen zu erklären. Außerdem wird man hier auf der Straße noch freundlich von Fremden gegrüßt, auch mal wieder schön zur Abwechslung.

6. Fremde Menschen beim Pinkeln

Anscheinend sind die Chiloten im Schnitt sehr viel kleiner als wir Deutschen. Durch Türrahmen passen oft gerade so aufrecht durch, Duschköpfe hängen ungemütlich niedrig und die Kabinen in öffentlichen Toiletten sind nur so hoch, dass man mühelos in die anderen Kabinen schauen kann.

 

7. Curanto, Empañada und Lachs

Das Essen auf Chiloé wurde uns schon in Punta Arenas empfohlen. Kaum angekommen, mussten wir natürlich das bekannteste Gericht probieren: Curanto. Traditionell wird es in einem Erdloch zubereitet und besteht aus stundenlang gegartem Fleisch, Würsten, verschiedenen Muscheln, Kartoffeln und Teigfladen. Hört sich gar nicht so schlecht an – schmeckt aber furchtbar. Die Muscheln waren komplett totgekocht und zäh, die Teigfladen hatten eine seltsam klebrige Konsistenz und das Fleisch war auch nicht wirklich lecker. Die Kartoffeln und Würste waren aber gut 😉 Dazu gibt’s ganz viel Zitrone und eine würzige Brühe, die nach Muscheln und schlechtem Weißwein schmeckt. Alles in allem waren wir leider ziemlich enttäuscht und verstehen wirklich nicht, warum das hier alle lieben. Aber probiert werden musste Curanto natürlich trotzdem.

Super lecker sind dafür die Empañadas. Die Teigtaschen mit unterschiedlichsten süßen und salzigen Füllungen gibt es frittiert und im Ofen gebacken und wirklich an jeder Straßenecke. Rund um Chiloé gibt es außerdem hunderte Lachsfarmen, weshalb auch dieser Fisch oft auf dem Speiseplan steht. Auf der Fährfahrt haben wir aber erfahren, dass die Lachse mit Antibiotika und Hormonen gefüttert werden, da sie so schneller wachsen und mehr Ertrag einbringen. Die Futtermittel werden aber natürlich nicht nur von den Lachsen gefressen und beeinflussen so das gesamte Ökosystem. Seit Jahren wird deshalb beispielsweise ein enormes Walsterben beobachtet, so dass wir uns dann doch gegen den Lachs entschieden haben. Mit ein bisschen mehr Reisebudget kann man in den zahlreichen Restaurants aber sehr gut essen und sich vor allem den Fisch, Meeresfrüchte und Kartoffeln, die zu fast jeden Essen gehören, schmecken lassen.

8. Pure Natur

Die halbe Insel besteht aus Nationalpark, vor allem im Süden kann man stundenlang durch fast unberührte Natur fahren. Auch wenn die Straßen mal wieder eher für Jeeps gedacht sind, sieht man hier kilometerweit nur Wald und vor allem jede Menge Tiere. Man hört Frösche in den Tümpel quaken, Vögel zwitschern, Spechte neue Löcher hacken und Greifvögel ihre Nester verteidigen. Neben unzähligen unbekannten Pflanzen wie Farnen, Blüten, Kletten und diesen regenschirmgroßen Blättern kann man auch die Tiergeräusche nur selten einem bekannten Vogel zuordnen. Hier gibt es wirklich viel zu entdecken und kilometerweit zu wandern, einfach traumhaft.

Zusätzlich zu all dem Genannten gibt es sicherlich noch sehr viel mehr zu entdecken. Was hast du schon auf Chiloé erlebt? Oder was würde dich noch interessieren? Schreib mir gern in den Kommentaren! Und hier gehts noch zum zweiten Teil des Roadtrips zum wunderschönen Lago Llanquihue. Liebe Grüße aus Südchile

Annka Die Schönheit des Lebens

 

2 Kommentare

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