Wie verabschiedet man sich für ein Jahr?

Wie du vielleicht gelesen hast, werde ich Deutschland verlassen. Vermutlich für etwa ein Jahr. Aber wie geht das eigentlich, ein Abschied für so lange Zeit? Wie kann ich mein Zuhause zurücklassen und all die großartigen Menschen, die ich damit verbinde? Ich habe keine Ahnung, aber ich hoffe dass es mir hilft, meine Gedanken nieder zu schreiben…

abschied

Worum geht es hier wirklich?

Am Wochenende habe ich meine Unistadt (für immer) verlassen. Der erste Schritt in Richtung Weltreise, der erste Abschied von wundervollen Menschen. Es geht mir nicht wirklich darum, die Stadt zu verlassen, in der ich die letzten fünf Jahre verbracht habe. Ich werde nicht die Straßen vermissen, sondern die Menschen mit denen ich diese entlanggeschlendert bin. Ich werde nicht die Kneipen vermissen, sondern die Menschen mit denen ich hier so großartige Abende verbracht habe. Die Mosel werde ich wohl tatsächlich vermissen, denn einen Fluss in der Stadt zu haben ist wirklich total schön. Super zum Spazieren und Sommerabende genießen. Aber jetzt mal ehrlich, ich werde nicht die Stadt vermissen sondern die Menschen und das Gefühl, das mich mit ihr verbindet: Zuhause zu sein. Mich so wohl zu fühlen, immer zu wissen dass hier Menschen sind, zu denen ich gehen kann wenn ich jemand brauche. Zu wissen, dass ich hier immer einen Platz finde, an dem es mit gut geht.

Dankbarkeit

Ich bin so dankbar für all das. Es schmerzt mich, mein Zuhause zu verlassen und all das aufzugeben. Doch ich bin auch so dankbar, dass ich die letzten Jahre so erleben durfte, wie sie waren. Ich hätte es mir nicht schöner vorstellen können. Und ich bin auch dankbar für euch, die Menschen die diese Jahre geprägt haben. Ihr seid mir so wichtig, ihr seid mein Zuhause. Und ich hoffe, dass ihr das auch noch sein werdet, wenn wir nicht mehr in der selben Stadt wohnen!

handlettering love is the answer

Und warum gehe ich dann?

Wenn mein Herz so sehr an diesem Gefühl hängt, zuhause zu sein und diese Menschen um mich zu haben, warum gehe ich dann? In wehmütigen Momenten kann ich diese Frage nicht beantworten. Dann würde ich am liebsten jeden Tag mit diesen Lieben an der Mosel und in den Weinbergen spazieren, im Café Cappuccino schlürfen und abends ein zwei Kraftbräu trinken, Geschichten erzählen, Zander essen, tanzen. Aber dann wird mir auch wieder klar: Ich möchte auch etwas Neues sehen. Ich möchte Menschen kennen lernen, die mich Neues lehren und mir Welten eröffnen die ich noch nicht kenne. Ich möchte Orte sehen, die mich für immer prägen und Erfahrungen machen, die ich nie vergesse. Und ja, ich könnte das auch hier. Aber hier gibt es auch immer etwas zu tun. Hier hält mich Arbeit von diesem freien Gefühl ab, einfach zu tun auf was ich gerade Lust habe. Ich brauche Zeit um nur das zu tun. Einfach nur zu leben ohne Ziel. Ohne einen Job zu erledigen, ohne Deadline. Mal schauen ob ich das kann, ich kann mich an keinen Moment erinnern, an dem ich nichts zu tun hatte in den letzten Jahren. An dem ich nicht eigentlich auch etwas für die Uni tun könnte. Und ich weiß einfach nicht wie es ist, ohne Ziel zu sein, ohne das Gefühl zu haben mich fachlich weiterzuentwickeln, ohne zu lernen.

Muss man immer ein Ziel haben?

Ich würde mich als sehr zielstrebig und ehrgeizig beschreiben. Ich organisiere gerne und habe immer einen Plan, den Überblick. Wird es mir reichen, den Überblick über meine Reisepläne zu haben? Ist mir ein Blogeintrag dann und wann genug Arbeit? Bin ich zufrieden, wenn ich Neues über Kulturen, Länder und Geschichte lerne anstatt über Psychologie, Statistik und wissenschaftliche Methoden? Das nächste Jahr wird sicherlich in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung. Und ich freue mich auf sie, genauso wie ich mich bisher auf jede neue Herausforderung gefreut habe.

Voller Vorfreude – und ein zwei anderen Gefühlen

Denn auch wenn ich so viel hinter mir lassen muss, werde ich auch so viel Neues entdecken. Über die Welt, die Menschen und mich. Und ich darf das alles mit diesem einen besonderen Menschen erleben. Meine Wehmut und Angst mischt sich mit Vorfreude und Dankbarkeit, ich fühle mich unsicher und traurig, aufgeregt und glücklich. Dazu noch eine Prise Stress, da bis zum Abflug eine Masterarbeit geschrieben werden muss, und das Gefühlschaos ist perfekt.

Wie schaffe ich denn dann den Abschied?

Keine Ahnung. In vier Wochen ist Abflug und ich musste mich schon jetzt von den ersten lieben Freunden verabschieden. Für ein Jahr. Ich glaube nicht, dass auch noch so viele Umarmungen und Küsse zum Abschied mich durch das nächste Jahr bringen werden. Wenn ich daran denke, meinen Alltag nicht mehr mit euch verbringen zu können, möchte ich mich am liebsten heulend in meinem Bett verkriechen. Ihr werdet mir so unendlich fehlen! Doch ich weiß, dass wir auch ohne uns ständig zu sehen Freunde sein werden. Gute Freunde, die besten! Und ich hoffe, dass sich unsere Beziehungen nicht verändert haben bis ich wieder komme. Dass wir uns wieder mit einem Tee aufs Sofa setzen und quatschen, so als wäre alles beim Alten. Und wir werden uns so viel zu erzählen haben und so viele Erfahrungen zu teilen. Ich freue mich darauf! Darauf dass alles anders sein wird und doch so vieles gleich.

Alles in allem bin ich voller Hoffnung und Dankbarkeit. Auf ein grandioses Jahr in der Fremde mit engen Verbindungen in die Heimat, für die Chance zu gehen und all die Menschen, die den Abschied so schwer machen.

Hast du einen tollen Tipp, wie man mit solch einer Situation umgehen kann? Ich freue mich, wenn du mir davon erzählst.

Liebe Grüße, deine Annka

Annka Die Schönheit des Lebens

 

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